Ausgangslage
In vielen Ländern wird seit längerem intensiv darüber diskutiert, was eine gute Schule auszeichnet und welche Schritte nötig sind, um die Schulqualität weiter zu steigern. Die Diskussion über die Merkmale einer guten Schule hat allerdings eine Kehrseite: Es steht indirekt auch die Frage im Raum, welche Schulen ihren Aufgaben nicht im gewünschten Ausmass gerecht werden. Dabei konzentriert sich das Augenmerk auf zwei Aufgaben: Zum einen geht es darum, ob die Leistungen der Schülerinnen und Schüler insgesamt zufriedenstellend sind; zum anderen geht es darum, ob die Schule den Kindern und Jugendlichen ein soziales Umfeld bietet, in dem sie sich positiv entwickeln können. Damit verbindet sich dann als dritter Punkt die Anforderung, dass dem Personal ein Rahmen für die Stärkung von beruflichen Kompetenzen und den sorgsamen Umgang mit humanen Ressourcen geboten wird. Interne und externe Evaluationen sollen dazu beitragen, dass diese Punkte in den Schulen erfolgreich bearbeitet werden.
Versagende Schüler = versagende Schule?
Für Schulen, die diesen Punkten nicht gerecht werden, hat sich im englischsprachigen Raum der Begriff der „failing school“ eingebürgert – wobei dort das Kriterium der Schülerleistungen ganz deutlich im Vordergrund steht. Dabei ist die Analogie zu Unternehmen, die wegen fehlender Leistungen in Konkurs gehen, durchaus gewollt: In England oder den USA fehlt es nicht an Beispielen dafür, dass Schulen wegen fehlender Erfolge vom Bildungsmarkt verschwinden. Auch wenn in den meisten kontinentaleuropäischen Ländern und namentlich auch in der Schweiz eine andere Ausgangslage besteht, weil die öffentlichen Schulen sich auf eine politische Existenzgarantie stützen und vergleichende Leistungstests nicht denselben Stellenwert haben wie im angelsächsischen und angloamerikanischen Raum, ist auch hier der Bewährungsdruck in den letzten Jahren gewachsen: Es wird nicht mehr wie selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Schulen als Organisation gut funktionieren und allenfalls einzelne Lehr- oder Leitungspersonen ein Problem darstellen.
Entwicklungen im deutschsprachigen Raum
Im Unterschied zum englischsprachigen Raum ist die Schulbeurteilung im deutschsprachigen Raum dadurch geprägt, dass Prozessen der Schul- und Unterrichtsorganisation ein vergleichsweise hoher Stellenwert eingeräumt wird. Während es bei den Resultaten von Leistungstests auf den ersten Blick einfach erscheint, anhand der erzielten Werte von erfolgreichen und erfolglosen Schulen zu sprechen, ist die Frage, ob Schulen auch bei der Gestaltung der Organisationskultur scheitern können, bislang noch nicht systematisch untersucht werden – obwohl klar ist, dass das Schul- und Unterrichtsklima einen starken Einfluss auf das Lernen hat.
Leitfragen der Fachtagung
Die Tagung Failing Schools – Herausforderungen für die Schulentwicklung zielt darauf ab, das bislang teils ignorierte, teils tabuisierte Thema des Versagens von Schule als Organisation im Hinblick auf das Schulwesen der Schweiz zu konkretisieren. Dabei soll es nicht nur um die Darstellung und Analyse von Defizitdiagnosen gehen, sondern auch nach sinnvollen und praktikablen Konsequenzen im Umgang mit diesen Diagnosen gefragt werden: Wie schaffen es Schulen, gravierende Defizite zu überwinden, um dann möglicherweise vom „Normalbetrieb“ zu mustergültigen Lösungen zu gelangen?
Zielgruppen
Die Tagung richtet sich an Personen, die in den folgenden Gebieten tätig sind:
› Schulentwicklung
› Schulleitung
› Schulevaluation
› Qualitätsmanagement
› Schulbehörden und Bildungsverwaltung
› Bildungspolitik
› Elternmitwirkung
› Bildungsforschung
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27. März 2012
Medienmitteilung, Referat und Fotos zur Veranstaltung “Elternhaus-Schule” aufgeschaltet
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